Die Gemeindebezeichnung „Mennoniten Brüdergemeinde“ geht auf den Reformator Menno Simons und auf gemeindliche Erneuerungsbewegungen ab 1860 zurück.

Menno Simons

Geboren wurde Menno im Januar 1496 in Witmarsum in Friesland. Seine Eltern waren Bauern und zogen nach seiner Geburt ins nahe Pingjum, von wo der Vater stammte. Wahrscheinlich 1524 wurde Menno in Utrecht oder Bolsward zum Priester geweiht, danach wurde er Vikar in Pingjum. Er kam früh mit den weitverbreiteten zeitgenössischen Zweifeln an der hergebrachten Abendmahlslehre in Kontakt und versuchte, durch intensives Bibelstudium zur Klarheit zu gelangen. Seine Zweifel an der Verwandlung der Elemente Brot und Wein in Leib und Blut Jesu wurden dadurch aber nur noch stärker.

Im Jahr 1531 erfuhr er von der Hinrichtung eines Täufers in Leeuwarden, und zu seinen Zweifeln an der Abendmahlsauffassung trat jetzt auch noch die an der Kindertaufe. Ein Jahr später wurde Menno Pfarrer in Witmarsum und hatte nun auch direkt mit Täufern zu tun. Es wird vermutet, daß Menno jahrelang mit den Täufern sympathisierte. Bevor er dann aber im Januar 1536 tatsächlich mit seinem bisherigen Leben brach, sich den Täufern anschloß und in den Untergrund ging, geschah noch einiges.

In Münster in Westfalen entwickelte sich die dortige Reformation im Laufe des Jahres 1533 zu einer apokalyptisch ausgerichteten Bewegung weiter, die obwohl täuferisch orientiert, jedoch ganz andere Ziele verfolgte als die Täufer in der Schweiz und in Süddeutschland. So war u.a. ihr Ziel, mit militärischen Mitteln das tausendjährige Reich Christi aufzubauen und zu verteidigen.

Gedenkstein an Menno Simons

Anfang 1534 setzte sich diese Bewegung in Münster durch. Das sogenannte “Täuferreich zu Münster”, das anderthalb Jahre währte (bis Sommer 1535) wurde sofort militärisch bekämpft und die Stadt von den Truppen des Fürstbischofs belagert. Phantastische Schauergeschichten über die Vorgänge in der Stadt wurden verbreitet, die moderne Geschichtsforschung dagegen hat gezeigt, welches die inneren Entwicklungen in der Stadt waren und wie die eingeschlossenen Täufer versuchten, auf die jeweils sich ändernde Situation zu reagieren.

Münster fällt im Sommer 1535 durch Verrat. Die Lage des Täufertums ist danach desolat, die verzweifelten täuferischen Gruppen kommen Menno vor wie verirrte Schafe. Er fühlt sich berufen, ihnen zu helfen, die Gläubigen zu trösten, zu sammeln und ihnen neue Orientierung zu geben.

Anfang 1536 ist Menno vierzig Jahre alt – und wendet sich ab von seinem bisherigen Leben. Lange genug hat er gegen seine innere Überzeugung den Priesterdienst versehen und dabei gegen sein Gewissen getauft und Abendmahl abgehalten. Innerlich längst auf ihrer Seite, schließt sich Menno nun offen den Täufern an. An die Stelle des gesicherten Lebens eines Pfarrers tritt die ungesicherte Existenz im Untergrund. Im gleichen Jahr heiratet Menno die Begine Gertrud.

In der Täuferbewegung wächst Menno schnell in eine Führungsrolle hinein, bereits ein Jahr später steigt er zu einem Ältesten auf. Unter den verschiedenen täuferischen Richtungen, die nach der Niederlage in Münster miteinander im Wettstreit liegen, nimmt er eine charakteristische Position ein. Während die “Batenburger” den Kampf der Münsteraner fortführen und als militante Gruppe im Untergrund die Rache an den Gottlosen propagieren, sind die “Davidjoristen” bereit, sich unter dem Druck der Verfolgung äußerlich anzupassen, ihre Kinder in den Kirchen taufen zu lassen und ihre täuferischen Überzeugungen nur heimlich in einem informellen Netzwerk Gleichgesinnter weiter zu pflegen. Menno wendet sich gegen beide: Gegen die “Batenburger” vertritt er die strikte Rach- und Wehrlosigkeit der Täufer. Das Gewaltmonopol der Obrigkeit wird bedingungslos anerkannt, jede Form täuferischer Gewaltausübung verworfen. Auf der anderen Seite hält er gegen die “Davidjoristen” daran fest, daß täuferische Gemeinden sich sichtbar etablieren und für ihre Überzeugungen eintreten sollen. Das schließt die Bereitschaft ein, in der Nachfolge Christi Leiden auf sich zu nehmen. Diese spezifische täuferische Haltung verbindet sich bald mit Mennos Namen, erstmals 1544 taucht in einer Polizeiordnung der ostfriesischen Gräfin Anna die Bezeichnung “Mennoniten” auf.

Menno war überzeugt, daß das täuferische Gemeindemodell sich durchsetzen und durch einen vorbildlichen Lebenswandel Gegner und Obrigkeit für diesen Glauben einnehmen würde. Doch fand sich diese Obrigkeit, die er suchte, nicht.

25 Jahre Verfolgung und Leben im Untergrund, verbunden mit langjähriger Reisetätigkeit in den Niederlanden und der norddeutschen Tiefebene vom Niederrhein bis nach Danzig hatten an seiner Gesundheit gezehrt und ihre Spuren hinterlassen. So starb Menno Simons am 13. Januar 1561 auf dem Gut Fresenburg in der Nähe von Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein. Hier hatte er nicht nur einen Unterschlupf gefunden, sondern sogar eine kleine Druckerei einrichten können, die der Verbreitung seiner Schriften diente.

Was bleibt, ist das Vermächtnis eines regen und friedvollen Täuferführers, der in immer neuen Anläufen der Wahrheit des Evangeliums nachspürte und sie nach innen und außen in Wort und Schrift verteidigte.

Mennos Leitspruch, den er allen seinen Schriften voranstellte, war das Wort aus 1. Korinther 3,11:

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus

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